| |
|  |
By Freie Presse, May 10, 2007
Jenseits von Florida
Anna Maria Islands bietet Naturerlebnisse und Entspannung
Von Stefan Weissenborn
Anna Maria Island. Jedes Jahr im Mai kommen sie-nachts. Sind gepanzert, vergraben Eier im feinen Sand und schwimmen wieder davon in die Weiten des Golfs von Mexiko. Die bis zu 100 Kilogramm schweren Meeresschildkröten sind vom Aussterben bedroht. Sie sind die Lieblinge auf Anna Maria Island, dem Urlaubsparadies, das unter Florida-Reisenden auch wegen der Ruhe, den meilenweiten weißen Sandstränden und dem azurblauen Wasser als Geheimtipp gilt. Den Meeresbewohnern zuliebe wurde auf grelle Straßenbeleuchtung verzichtet. Nachts glimmen die Laternen im matten Gelb, damit die Tiere diese nicht mit dem Mond verwechseln, den sie auf ihrem Weg zurück ins Meer als Orientierung benötigen. Zur Eiablage und wenn die geschlüpften Turtlebabies im Herbst hektisch in die Fluten krabbeln, versammeln sich Anwohner wie Urlauber, um dem Naturspektakel beizuwohnen.
Vieles, aber nicht alles, dreht sich auf Anna Maria um die Schildkröten. Dazu ist die westlich von Zentralflorida gegenüber von Sarasota gelegene Insel zu sehr auch Urlauberparadies im stereotypen Sinne. Die ganze Westküste säumt ein einziger rund zwölf Kilometer langer Strand mit feinem Sand. Badetemperaturen herrschen das ganze Jahr über. Stets findet sich ein ruhiges Plätzchen zum Ausruhen und Krafttanken. Der belebteste Strandabschnitt ist noch der von Holmes Beach, dem zentralen Inselort mit rund 5000 Einwohnern.
Von flanierenden Muskelprotzen, wie das Klischee das Treiben an anderen Stränden Floridas beschreibt, fehlt jede Spur. Dagegen kann man mit ein wenig Glück vom Badehandtuch aus beobachten, wie sich die Delphine am Bean Point, der Nordspitze von Anna Maria, tummeln. Die Gewässer an der strandlosen Ostküste sind Heimat von Seekühen, Pelikane gleiten auf der Suche nach einem Leckerbissen über die meist glatte Wasseroberfläche. Geht der Tag zur Neige, betören atemberaubende Sonnenuntergänge. „Wer einmal hier war, der kommt wieder“, ist sich Susan Estler, Direktorin im örtlichen Tourismusbüro, sicher.
Einheimische schwärme, dass auf Anna Maria noch das „alte Florida“ jenseits des Massentourismus lebendig sei. Dabei ist die beschauliche, über zwei Brücken mit dem Festland verbundene Insel bestens auf den Tourismus eingestellt. 40 Motels und Resorts mit insgesamt rund 800 Zimmern nehmen die Urlauber auf. Hotelburgen sind weit und breit nicht in Sicht. Einer baurechtlichen Auflage sei Dank, die Gebäude höher als 38 Fuß-rund 11,5 Meter-verbietet. Auch von Fast Food wurde die Insel weitgehend verschont, nur die Niederlassung einer Sandwich-Kette hat sich hierher verirrt. Indes gelten die Florida Gulf Island, zu denen neben Anna Maria auch das benachbarte, belebtere Longboat Key gehört, als wahres Dorado für Feinschmecker.
Vor allem Gäste aus den USA, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland haben Anna Maria für sich entdeckt. Ein Doppelzimmer kostet in der Nebensaison ab 100 Dollar. Ist man mit Kindern unterwegs, wechseln für eine Unterkunft pro Nacht leicht weit über 200 Dollar den Besitzer. Das Durchschnittsalter der Gäste liegt bei 45 Jahren. Kostenlos ist dagegen der Inselbus, „Trolley“ genannt, mit das Eiland ab 6 Uhr früh erkundet werden kann. Einen Ausflug ist auch der Durante-Naturschutzpark auf Longboat Key wert. Dort wachsen prächtige Mangroven, die wohl auch Krimiautor Stephen King derart faszinierten, dass er sich ganz in der Nähe eine Residenz einrichtete-genannt „the haunted house“ (Das Spuckhaus).
Richtig mulmig wurde es den Menschen auf Anna Maria jedoch zuletzt vor anderthalb Jahren, als der Wirbelsturm Katrina zwei Hotels davon blies. „Wir haben noch Glück gehabt“, zeigt sich Rob Ondo, Manager im Tourismusbüro, erleichtert. Zwischen Juni und Ende November ist offiziell Hurrikan-Saison. Die Insel habe er deswegen jedoch seit zehn Jahren nicht mehr verlassen müssen. (ddp)
www.floridasgulfislands.com
|
|
|
|